Kunst und Droge – Rausch und Erkenntnis Part III

Bei der unter Künstlern verbreitetsten Droge, dem Alkohol, lassen sich immerhin zwei Charakteristika ausmachen. Alkohol diente bei so manchen Künstlern als Erholung vom schöpferischem Streß, doch bei schweren Alkoholikern bewirkt er eine Verdüsterung der Vorstellungswelt und eine Hinwendung zu gespenstischen Themen.

Allerdings wird in der Untersuchung von der Rolle der Droge im künstlerischem Prozeß auch durch die Nachwelt erschwert, die in vielen Fällen den Drogengebrauch von Künstlern herunterspielt. Die meditative Versenkung in den Rausch und den kreativen Prozeß durch den Hamburger „Bildermacher“ Bernd Warmbier (1954), der seine Bilder vorwiegend mit Tusche und Tinte „machte“, wurde „prägend“ – in der Hamburger Kunstszene.

Das Thema „Sucht“ ist ein wahrlich unerschöpfliches Gebiet für Soziologen, Toxikologen, Psychologen, Mediziner und Kriminologen. Hans Georg Behr vermerkt: „Daß nahezu ausnahmslos selbsternannte Experten, – einige Jahrtausend Suchtgeschichte, – der Alkoholismus mit eingeschlossen, noch keiner eigenen wissenschaftlichen Disziplin würdig sind.

Eine Gesellschaft schaffen zu wollen, in der kein Bedürfnis nach Drogen mehr herrscht, ist eine Utopie, die schon daran scheitert, daß jedes neue System auch die Schäden des alten erbt.“ (H.G.Behr, 1980, S. 293)

Jean Cocteau (1889-1963) war der Paradiesvogel der Pariser Gesellschaft.
Er war als Lyriker und Dramatiker ebenso erfolgreich, wie später auch als Maler, Zeichner und Filmemacher. Er zeichnete als opiumsüchtiger Maler das Bild eines Menschen, der seine Sinnesorgane wie Antennen ausgefahren hat. Opium wurde ein fester Bestandteil seiner Selbstinszenierung, und er suchte Trost im Mohnextrakt.
Cocteau rauchte das Opium, der „antimedizinischen Eleganz wegen“.
Er hütete eine Sammlung von Opiumpfeifen, deren Porzellanköpfe aus Meißen, Limoges, Sevres und Wedgwood stammten. Berühmt wurde sein Ratschlag: „Gehe vorsichtig an Opium, wie ein wildes Tier, ohne Furcht.“

Cocteau war ein Meister der französischen Dichtung mit seiner  raffinierten Mischung von Poesie, Tatsachen und schlimmsten literarischen Schriften. http://www.zitate-online.de/autor/cocteau-jean/

Das Tagebuch, das er in der Zeit des Entzugs führte, erschien später unter dem Titel: „Opium, Tagebuch einer Entziehung“, das er 1930 veröffentlichte, als alle europäischen Länder bereits ein strenges Opiumgesetz beschlossen hatten.

Auch nach der Entziehung bleibt die Sehnsucht. „Ich fühle mich leer, arm, entmutigt, krank. Es ist hart zu wissen, daß es den fliegenden Teppich gibt und man nie mehr fliegen wird.“ Im Jahr 1963 beendete der Tod die Lebensperformance des 73jährigen Selbstdarstellers. (J.Cocteau, 1930, „Opium“; Ein Tagebuch (Übers.: Hagen,F.), München 1968. DTV)

Jahrtausendelang haben Menschen mit dem Opium und anderen pflanzlichen Drogen gelebt.

Es war immer Medizin und Rauschgift, – Gift, wenn nicht Medizin.
Ein Fluchtmittel, das dann mörderisch wurde, wenn es zur Flucht mißbraucht wurde, das dann seine Machtbestätigung von den „Unterworfenen“ wollte. Eigenartigerweise hat keiner, der bekannten süchtigen Künstler, die sich über ihre Sucht äußerten, in den Bildwelten und Lyriken seine eigenen Phantasien gespiegelt gesehen.

Die Portraits und Akte des italienischen aus Livorno stammenden Künstlers Amedeo Modigliani (geb. 1884, gest.1920) von Alkohol und anderen Drogen abhängig, malte unter anderem das Bild „Jeanne Hebuterne mit gelbem Pullover“ in der Pariser Kunstszene um 1919. Es trägt mit dem oval deformierten Gesicht und der überlangen Nase das charakteristische Signum des Künstlers. Seine Portraits und Akte ähneln sich alle. Gesichter und Hälse sind lang, ein melancholischer Zug liegt um die mandelförmigen, dicht beieinanderstehenden Augen, „deren maskenhafte Form“, so der Kunsthistoriker Karl Ruhrberg, „vom halluzinierten Sehen des unter Alkohol und Drogen stehenden Künstlers mitbestimmt ist“.

Einsamkeit, Armut, Wehmut, Sehnsucht und Krankheit spiegeln sich in Biographien bekannter und berühmter Künstler.

Ihre Schaffenskraft war für jeden einzelnen einzigartig. Ihre künstlerischen Werke blieben uns zum Großteil erhalten.

Vielen berühmten Künstlern ist nach Schicksalsschlägen und der Flucht in die Sucht einer Droge, die Rückkehr in ein Leben, wie es vorher war, nicht mehr gelungen.

Der amerikanische Schriftsteller und Dichter Edgar Allan Poe *19.01.1809 (Boston)  †07.10.1849 (Baltimore) –  ein bedeutender Vertreter der amerikanischen Romantik, der spannende, phantasiereiche und oft unheimliche Erzählungen und Gedichte schrieb, ist wohl eines der prominentesten Opfer seiner Drogensucht mit Opium und Alkohol.

Um in den Dingen des Menschenherzens
durch und durch bewandert zu sein, müssen wir
auch noch in dem mit eisernen Schließen verschlossenen Buch
der Verzweiflung nachschlagen.

~ Edgar Allan Poe ~ aus: »Marginalien«

Seine Selbstzeugnisse klangen sehr spärlich, aber in seinen Geschichten tauchten immer Opfer von Opium auf.  Aufgrund der genauen Beschreibung der Droge und deren Wirkung kann angenommen werden, daß der Künstler ein Kenner der Droge war.
Im Jahre 1849 starb E.A.Poe im Delirium tremens, kurz vor seinem 41. Lebenjahr. (H.G.Behr 1980, S.84)

Vincent van Gogh, niederländischer Maler, 1853 -1890, ein wahrer starker Künstler, zeichnete vorerst und malte dann in intensiven Farben von starker Ausdruckskraft. Er leitete den Expressionismus ein. Seine Inspiration, war wie bei vielen Malern nach 1870 nachzuweisen aus der Quelle japanischer Drucke. Vincents Vorliebe für den Impressionismus, bedeutete aber nicht, daß er die Stilisierung außer acht ließ. http://de.wikipedia.org/wiki/Vincent_van_Gogh

Er malte „Die Kartoffelesser“ (Nuenen 1885), großartig ausgeführte Landschaften aus der Provence z.B. „Das Mohnfeld“ – 1889, „Zypressen“-1889/90, viele Kunstwerke, die später Laien und Künstler begeisterte. Zu dieser Zeit war van Gogh bereits sehr krank, fühlte sich machtlos,  war melancholisch, verarmt und von seinem Bruder Theo finanziell abhängig.
Van Gogh meinte jedoch, „schwere Arbeit sei die einzige Medizin“.

Ein Jahr, nachdem sich Vincent ein Stück seines Ohres abschneidet, bricht seine Nervenkrankheit deutlich aus, er kommt sich im Herbst 1888 wie elektrisch geladen vor (Selbstbildnis, Arles 1888, auf Leinwand) und begibt sich 1889 freiwillig nach mehreren Anfällen in die Irrenanstalt von Saint-Remy. Im Mai 1890 verläßt van Gogh die Anstalt, wird von seinem Arzt Dr.Paul Gachet, der selbst malt und zeichnet betreut. Die einzige Radierung, die Vincent van Gogh jemals gemacht hat, ist ein Bildnis seines Arztes Gachet. Van Gogh wohnt nun auch in der Nähe seines Bruders Theo – in einem Dorf nördlich von Paris, wo er in den letzten zwei Monaten seines Lebens außer Zeichnungen, noch etwa 70 Ölbilder verfertigte. Die letzte Krise seiner Erkrankung wird Vincent van Gogh zum Verhängnis – er schießt sich mit einem Revolver in die Brust und stirbt zwei Tage später ruhig in Anwesenheit seines Bruders und seines Arztes am 29.Juli 1890 und wird in Auvers begraben. 1973 wurde in Amsterdam das Rijksmuseum Vincents van Gogh eröffnet.

Pablo Picasso, eigtl. Ruiz y P., spanischer Maler und Graphiker, (1881-1973), der in seiner Frühzeit in Paris schwermütige Bilder schuf, so ziemlich alle Drogen versucht hatte, bestritt, daß dem so sei. Er wies darauf hin, daß alle Künstler, die Opiaten verfielen, ihren persönlichen Stil schon voll ausgeprägt hatten, ehe sie mit der Droge Bekanntschaft machten.

Picasso, der seine Bilder erst auf einen blauen „Bildnis der Madame Z“, ab 1905 auf einen rosa Ton stimmte, veränderte im Jahre 1917 seine Werke in einen neuen klassizistischen Stil. Um 1925 begann er mit krasser werdenden surrealistischen Verzerrungen zu malen. Pablo Picasso übernahm im Portrait seines Freundes Casagemas Farbgebung und Pinselduktus van Goghs. Die sich ständig wandelnde Vielfalt seiner Kunst ließ gegensätzliche Werke oft gleichzeitig entstehen, z.B. monströse Gebilde, realistische Stierkampfszenen und heiter- parodistische Zeichnungen.  http://de.wikipedia.org/wiki/Pablo_Picasso


Die Spur der Drogen – verbunden mit künstlerischen Talenten – läßt sich im deutschsprachigen Raum weniger deutlich verfolgen, da Rauschmittel in der vor allem protestantischen Tradition als sündhaft galten und daher die Sucht möglicherweise verheimlicht wurde.

Es muß erlaubte Drogen geben, und es wird immer wieder verbotene Drogen geben.
Beide werden ihre Opfer fordern, die verbotenen vermutlich mehr, denn die ihnen Ausgelieferten werden auch zum kriminellen Opfer der jeweils herrschenden gesellschaftlichen, kulturellen Ordnung.
Diese Unterscheidung ist ein grundsätzliches Kennzeichen jeder Machtausübung, – von der Familie angefangen.

Wer auch nur einen Augenblick die Reize des Erlaubten in Frage stellt, kann denen des Verbotenen verfallen.


Kirchner Ernst Ludwig, deutscher Maler und Grafiker 1880-1938, einer der Hauptmeister des deutschen Expressionismus, in Aschaffenburg geboren, starb durch Freitod im Jahre 1938 mit einem Revolverschuá ins Herz, der ihm als einziger Ausweg erschien.
Kirchner studierte 1901-1905 in Dresden Architektur, war Mitbegründer der „Brücke“ im Jahre 1905 und übersiedelte 1911 nach Berlin. Er war Mitglied der Preußischen Akademie der Künste, wurde aber schon 1933 von den Nazis ausgeschlossen und als „entartet“ diffamiert.
Sein künstlerisches Schaffen war 1915 von größter Bedeutung. „Der Tanz zwischen den Frauen“, „Soldatenbad“, „Der rote Turm in Halle“ oder das „Selbstportrait mit abgehauener Hand“ sind bedeutende Werke des großen Expressionisten, die an einem besonderen Krisenpunkt seines Lebens entstanden sind und Einblick gewährt in sein bildnerisches Denken und in die Befindlichkeit des Malers.

http://www.kunst-fuer-alle.de/deutsch/kunst/bilder/kuenstler/ernst-ludwig-kirchner/3117/1/index.htm

Kirchner schrieb unter dem Pseudonym Lois de Marsalle zahlreiche Aufsätze, in denen er zu seinem eigenen Werk, sowie dem anderer Künstler Stellung nahm.

Die Schauplätze, die Kirchner zu seinen „Großstadtbildern“ anregte, waren Dresden, Bern, Berlin – vor allem das Berlin – vor und während des Ersten Weltkriegs. 1913 malte Kirchner als drittes Kunstwerk die „Berliner Straßenszene“.

Vor der Kulisse vielfarbiger Architekturen spiegeln Dandys und Damen der Halbwelt mit extravagantem Kopfschmuck und in schillernden Kostümen die phantastische „Künstlichkeit“ des Lebens in der Metropole.
Das grelle und fieberhafte Leben verwandelte Kirchner in kantige zuckende Formen von außerordentlicher Aussagekraft, wie Dr.Lucius Grisebach, geb. 1942 in Marburg (Lahn), Kunstgeschichtestudium, Archäologie und Philosophiestudium, Kirchners Biographie und Künste beschreibt. (Piper, München Zürich, 1979/1989). Das Straßenbild Kirchners mit dem lapidarem Titel „Die Straße“ entstand ebenfalls 1913 und war von Anfang an eines der gelungesten Werke.

1920 wurde es als „entartet“ beschlagnahmt und verkauft. Heute hängt es im Museum of Modern Art in New York, als eines der Hauptwerke dieses Museums. Der „Potsdamer Platz“ von 1914, jenes Monument, dessen Hauptfiguren des Straßenbildes fast Lebensgröße erreichen, ist das großartigste von allen Großstadtbildern Kirchners.
Der Erste Weltkrieg veränderte Kirchners Leben schließlich tiefgreifend.
Während seiner Ausbildung als Soldat, er nannte es „unfreiwillig Freiwilliger“ erlebte er einen schweren Zusammenbruch, wurde entlassen und hielt sich in verschiedenen Sanatorien auf.  Schließlich konnte Kirchner aus Deutschland hinaus, erholte sich etwas und blieb bis zu seinem Tode in Davos. Unmäßiger Medikamentenkonsum, im wechselhaften Zustand von starker Trunkenheit, insgesamt gesehen durch die Abhängigkeit und ihren Folgeerscheinungen verlor Ernst Ludwig Kirchner nach und nach die Kontrolle über Physis und Psyche.

In verzweifelter Reaktion auf seine zunehmende Vereinsamung, schließlich auch noch durch die Krankheit überwiegend ans Haus gebunden, wohl auch im Zusammenhang mit der akuten Kriegsangst (1914), seiner inneren Verspannung, die er mit Medikamenten und Alkohol auszugleichen versuchte – wobei er unter der zeitweiligen Unfähigkeit, die Hände und Füße wegen Gefühllosigkeit zu gebrauchen, offenbar am meisten litt. Der später einsetzende Morphiumkonsum kam noch hinzu.

Der österreichische Maler Gerstl Richard (1883 – 1908), zunächst dem Jugendstil verpflichtet, entwickelte einen expressiven, pointillistischen Stil. Er entsprang der „Umarmung“ von Drogen und wählte den Freitod …

Die Drogen lauern zwischen der Paradieshoffnung und der Wirklichkeit, – die durch diese Hoffnungen erst so schwer erträglich wird.

Schlaf-, Beruhigungs- und Aufputschmittel, Opiate, Alkohol und Tabak, all diese Substanzen, die der Mensch sät und erntet, erzeugt, verkauft und erhandelt, haben einen bedeutenden Stellenwert.

Fast jede Droge der Welt ist in unserer freizügigen und durchlässigen Gesellschaft zu haben, – für jeden, der Drogen unbedingt haben möchte, denn der expansive Markt und die pharmakologische Intelligenz wird immer neue Designerdrogen hinzufügen.

Bei dem Stellenwert den die Vernunft in unserem Wissen einnimmt, ist es nicht sehr verwunderlich, daß andere Grundzüge des Menschen erst Jahrhunderte später entdeckt wurden.

Es ist noch nicht so ewig lange her, als Sigmund Freud den Einfluß der Psyche auf das menschliche Verhalten entdeckte und andere „Drogenkenner“ den der Drogen.

Wir haben die gesellschaftliche Illusion des käuflichen Glücks, – auch auf chemischer Basis.
Was mit chemischen Drogen erzeugt werden soll, ist das Glück, das der Wirklichkeit fehlt.

So erzeugen Drogen die Träume, die durch die moderne Nüchternheit wegrationalisiert wurden.

In politischen Überlegungen spielt die Psyche – die Seele des Menschen, – nur im Wahlkampf – und in Strategieplänen eine halbwissenschaftliche Rolle, und der menschliche Hang zu Drogen ist demzufolge ein zu bekämpfendes Übel.

Die Vernunft ist nur ein Faktor menschlicher Wirklichkeit. Mit ihr und oft auch gegen sie gibt es noch die irrationale Macht der Gefühle und die magische Macht einer Droge.

Die beiden letzten Faktoren sind nicht „regierbar“, da sie die unverwechselbare Eigenpersönlichkeit jedes Menschen bilden.
Gefühle scheinen nicht mehr erlaubt zu sein, denn auf „edler Vernunftsbasis“ wird nüchterne Politik gemacht, wobei die seelischen Erkrankungen und Drogenprobleme weiter zunehmen.

Das „Universallösungsmittel“ wird immer nur in der Vernunft gesehen und für Träume ist die Konsumwerbung zuständig.

Um mit einem tirolspezifischen Kontext abzuschlieáen, möchte ich Georg Trakl, den österreichischer Dichter, mit Werken reinster Lyrik von mystischer und magischer Schönheit, geb. am 3.Februar 1887 in Salzburg in ehrenhafte Erinnerung rufen.

Trakl, der mit dem Brenner seine literarische Förderung in Innsbruck erhalten hat, besuchte 1897 das humanistische Staatsgymnasium am Salzburger Universitätsplatz.
Er hegte Schwärmereien für Musikromantik: Chopin, Liszt, die Russen – später für Wagner, begann 1904 mit dichterischer Tätigkeit, bricht sein Gymnasialstudium in der siebten Klasse ab und beginnt als Lehrling in der einer Apotheke im Jahre 1905.
Nach Enttäuschung über seinen Mißerfolg als Dramatiker, Bekanntschaft mit Rauschgiften, wie Morphium und Veronal, abere weitere Lyrikwerke entstehen. Im Jahre 1908 begann Trakl das Universitätsstudium der Pharmazie in Wien.

Ein dichterischer Aufschwung beginnt und Trakl schreibt an Buschbeck: „Ich habe gesegnete Tage hinter mir …“.

Seine Jugendgedichte werden von Buschbeck dem Verlag Albert Langen in München angeboten.
Sponsium zum Magister der Pharmazie 1910 und Niederschrift des Puppenspiels „Blaubart“.
1911 Sanitätsdienst – Präsenzdienst als Einjährig-Freiwilliger in Wien, dann Versetzung an den Landesschützenergänzungsbezirk Innsbruck und – der Beginn schwerdepressiver Anfälle in Perioden.
Trakl arbeitet an der Innsbrucker Halbmonatsschrift „Der Brenner“ – Dichtung von Trakl „Vorstadt im Föhn“.

Trakl verfaßte eine erste Sammlung der reifen  Dichtungen mit dem Titel: „Dämmerung und Verfall“. Er vollendet „Traum und Umnachtung“ und es erscheint am 3.Jänner im Jahre 1914 in der Innsbrucker Zeitschrift „Brenner“. Trakl, ein religiöser Träumer und Phantast, den nicht nur der Alkohol und das Rauschgift vernichtete, verkraftete auch die frühere Blutschande mit seiner Schwester Grete nicht. Es verfolgte ihn das Bewußtsein einer unentrinnbaren Schuld und seine Phantasien verkörpern die inneren Schicksale einer einzigen Individualit„t und lassen daher die Zusammenhänge einer ganzen Persönlichkeitsentwicklung erkennen.

Im August 1914 rückte Trakl in den Krieg, im Oktober desselben Jahres wurde er in das Garnisonsspital in Krakau zur Beobachtung seines Geisteszustandes eingeliefert. Sechs Tage vor seinem Tode schrieb Trakl an Ludwig von Ficker: „… Zum Schlusse will ich noch beifügen, daá im Falle meines Ablebens, es mein Wunsch und Wille ist, daá meine Schwester Grete, alles, was ich an Geld und sonstigen Gegenständen besitze, zu eigen haben soll … “

Trakl ist an einer Überdosis Kokain (Herzlähmung) im Garnisonsspital des polnischen Krakau am 3.November 1914 mit erst 27 Jahren verstorben. Er wird in Krakau beerdigt.
Später, erst im Jahre 1925 werden seine Gebeine nach Tirol überführt und in Innsbruck-Mühlau beigesetzt.

Trakls letzte sieben Gedichte werden im „Brenner Jahrbuch 1915“ veröffentlicht, sowie „Offenbarung“ und „Untergang“.
Trakls Schwester Grete beendete ihr Leben durch eigene Hand im Jahre 1917.

Im Jahre 1919 erscheinen die Jugenddichtungen, von Erhard Buschbeck herausgegeben, unter dem Titel „Aus goldenem Kelch“ bei Otto Müller, Salzburg und Leipzig.

Das Grauen

„Ich sah mich durch verlass`ne Zimmer gehn.
– Die Sterne tanzten irr auf blauem Grunde,
und auf den Feldern heulten laut die Hunde,
Und in den Wipfeln wühlt wild der Föhn.

Doch plötzlich Stille! Dumpfe Fieberglut
läßt giftige Blumen blühn aus meinem Munde.
Aus dem Geäst fällt wie aus einer Wunde
blass schimmernd Tau, und fällt und fällt wie Blut.

Aus eines Spiegels trügerische Leere
hebt langsam sich, und wie ins Ungefähre
aus Graun und Finsternis ein Anlitz: Kain!

Sehr leise rauscht die samtene Portiere,
durchs Fenster schaut der Mond gleichwie ins Leere;
Da bin ich mit meinem Mörder – ich allein.“

~ Georg Trakl (Der Heilige) ~


http://www.think-of-me.de/Biography/Lyrik_Georg_Trakl.htm


Autorin Dr. Ingrid Riedl – veröffentlicht im  „Kunstmagazin Palette“ – 3. Jahrgang – Ausgabe 9 – 1994)

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