DEMENZ ist ein Sammelbegriff

DEMENZ oder das schleichende Vergessen.

Erinnerungslücken, Desorientiertheit und Konzentrationsdefizite sind im hohen Alter nicht selten.
Doch nicht immer bedeutet dies, dement zu sein – an Alzheimer zu leiden.

Der Begriff Demenz steht für eine sehr umfassende Gruppe ungleichartiger Erkrankungen, bei denen das Gedächtnis und die Denkfähigkeit abnehmen und das schleichende VERGESSEN zunimmt.

Es zeigt die Uhr die Zeiten an,
doch nie was sie uns bringen.
Wir knüpfen an die Hoffnung an
und an vertrauten Dingen.

© Ingrid Riedl

Entscheidend ist, dass mehrere geistige und intellektuelle Bereiche betroffen sind, wie die Orientierung oder die Lern- und Urteilsfähigkeit, und dass dies die an Demenz erkrankten Menschen in ihren alltäglichen Aktivitäten erheblich beeinträchtigt.

Bevor ich wissenschaftliche Definitionen zitiere, möchte ich auf ein paar Therapieformen hinweisen, die auch bei komatösen Patienten angewendet wurden und z.T. von Erfolg gekrönt waren.

Musik kann das Tor zur Welt einen Spalt öffnen.

Im Rahmen meiner Klinikpraktika konnte ich bei Patienten, die sich aufgrund eines Unfalls mit Schädel- Hirntrauma im apallischen Syndrom befanden, sowie auch Schlaganfallpatienten, denen man ( wie auch mir) kaum mehr Chancen der Genesung einräumte, erstaunliche Fortschritte bei der MUSIKtherapie beobachten.
Musiktherapie hat einen positiven Einfluß auf Demenz-Patienten. So werden etwa Agitationen (krankhafte Unruhe, bei der es zu heftigen und hastigen Bewegungen des Patienten kommt ) gemindert und die Interaktionsfähigkeit wird gebessert.
Eine Bewegungs- bzw. Kreislauftherapie gelingt bei einigen dementen Patienten leichter, wenn früher bekannte Melodien ertönen.
Melodien sind präsent, wenn der Text schon fast vergessen ist.

So kann das Hören und Singen vertrauter Volkslieder dem Gedächtnis mitunter auf die Sprünge helfen.
Ich konnte beobachten, dass Demenzkranken, die ich bereits seit Jahren kannte, noch bevor das schleichende Vergessen eingetreten war, spontan die Situation einfiel, in der er/sie das Lied kennen lernte oder (mit) -gesungen oder getanzt hat.

Dass Musiktherapie die Kommunikationsfähigkeit verbessert, davon bin ich überzeugt.
Ein begeisterter Tänzer, der seit ein paar Jahren an Alzheimer leidet, wurde aus seiner Apathie geweckt, in seiner periodischen Unruhe beruhigt, als er die bekannten Melodien hörte, zu deren er am liebsten tanzte.
„Das ist eine Sprache ohne Worte.“ Denn die Melodien alter Lieder blieben präsent, selbst wenn der Text bereits bröckelt – egal, wie ausgeprägt die Demenz ist.

Auch Biographie-Arbeit soll das Vergessen der eigenen Lebensgeschichte verhindern und persönliche Erinnerungen wach halten.
Fotos von bekannten Plätzen der Heimatstadt, von Urlaubsreisen und anderen bildlich festgehaltenen (familiären) Begebenheiten wecken Erinnerungen, und die Patienten geraten mitunter ins Erzählen.

Wer ein Haustier hat/te kann durch Tonbandaufnahmen von Tierstimmen (Vogelgezwitscher) aus seiner „Lethargie“ geholt werden, auch wenn es nur kurzfristig geschieht.
Der Duft von Blumen, Kräutern, sowie frühere Lieblingsspeisen, die der Kranke erhält, regen die Geschmacksknospen an und Geräusche einer Meeresbrandung können beruhigend wirken und Erinnerungen wecken.

Angenehm ist am Gegenwärtigen die Tätigkeit,
am Künftigen die Hoffnung
und am Vergangenen die Erinnerung.

~ Aristoteles ~

Demenzen gehören zu den folgenschwersten Alterskrankheiten. Durch die steigende Lebenserwartung nimmt ihre Bedeutung für die Gesellschaft weiter zu.

DEMENZ ist ein Sammelbegriff für ungefähr 50 verschiedene Erkrankungen.

Als kurze Definition kann man sagen, Demenz ist die Bezeichnung für einen Prozess, der sich normalerweise über Monate und Jahre erstreckt. Dabei kommt es zu chronisch fortschreitenden, degenerative Veränderungen des Gehirns, die verbunden sind mit einem Verlust von früher erworbenen kognitiven Fähigkeiten.

Zu den typischen Erscheinungen der Demenz gehören:
Zunehmende Verschlechterungen der Gedächtnisleistung (vor allem des Neugedächtnisses), des Denkvermögens, der Sprache, der Urteilsfähigkeit, der Intelligenz und der Orientierung.
Das kann sich z. B. darin zeigen, dass der Betroffene häufig Namen vergisst, seine Brille, Geldbörse oder Schlüssel suchen muss, kein Gefühl für Zeit hat, nicht weiß, wo er sich gerade befindet oder auch Verwandte nicht mehr erkennt.

Erinnerung heißt die Kunst, einmal Genossenes nicht nur festzuhalten,
sondern es immer reiner auszuformen.

~ Hermann Hesse ~

Verhaltensstörungen und Wesensänderungen.

Das kann sich äußern in Merkmalen wie grundloses Nörgeln und Schimpfen, Unruhe, Misstrauen, Ängstlichkeit und Unsicherheit, Schreien und Umsichschlagen, Veränderungen des Schlaf-Wach-Rhythmus, orientierungsloses Umherlaufen in der Nacht, die tagsüber in Müdigkeit/Erschöpfung mündet, Halluzinationen oder Wahnideen, wie z. B. das vermeintliche Sehen von nicht vorhandenen Gegenständen oder Gestalten.

(Demenz vom Alzheimer-Typ, wurde benannt nach dem deutschen Neurologen Alois A. 1864-1915, Breslau)

Der Ursprung des Worts DEMENZ geht auf den lateinischen Ausdruck de mentis (aus dem Bewusstsein/Verstand) zurück.
Über die Ursachen dieser wortwörtlichen Geisteskrankheit gab es schon früh verschiedene Mutmaßungen.
In seinem Werk Nomoi verfechtet Platon (427 bis 347 v. Chr.) die Theorie, geistige Verwirrungen seien allein durch das hohe Alter bedingt.

Dem widersetzt sich Marcus Tullius Cicero (106 bis 43 v. Chr.) in der Schrift Cato maior de senectute: es sei nicht das Alter an sich, sondern die Konsequenzen eines schlaffen, trägen, schläfrigen Alters. Heutzutage wissen wir mehr über die Ursachen der Krankheit, insbesondere auf molekularer Ebene. Es sind einige Risikofaktoren bekannt.

Doch vieles zu den Entstehungsprozessen von Demenzen bleibt weiterhin unklar.
Die Diagnose Alzheimer löst bei den Betroffenen und deren Angehörigen Hilflosigkeit und Ängste aus und lässt die Zukunft im Ungewissen.
Die Krankheit berührt den Menschen in seinem tiefsten Inneren, in seiner Persönlichkeit. Sie lässt Jahre verblassen, in der Folge die Vergangenheit verlöschen, zerstört die Orientierung in der Gegenwart und nimmt die Zukunft …

Das Wichtigste im Umgang mit an Demenz erkrankten Menschen ist GEDULD, ausgewogene Ernährung, ausreichende Flüssigkeitszufuhr und Bewegungstherapie.

Durch Ungeduld seitens der Kontaktpersonen hat der Betroffene das Gefühl, etwas falsch gemacht zu haben – dies ist Ursache für Unzufriedenheit, Traurigkeit und Unwohlsein (kein Mensch macht gerne Dinge falsch).
Wichtig ist ferner, sich darüber im Klaren zu sein, dass die Betroffenen aufgrund ihrer Gedächtnisstörungen nur bedingt lernfähig sind.

Die Abgrenzung normalen Alterns von einer Demenz kann im Einzelfall schwierig sein und setzt eingehende (auch internistische) Untersuchungen voraus.
Die Diagnose Demenz beinhaltet, dass neben Gedächtnisstörungen mindestens eine weitere kognitive Fähigkeit gestört ist.
Diese weitere kognitive Fähigkeit kann beispielsweise die örtliche Orientierung, die Konzentrationsfähigkeit oder das räumliche Vorstellungsvermögen sein.

Amnesie (von griech. a „ohne, nicht“ und mnesis „Erinnerung“) bezeichnet eine Form der Gedächtnisstörung für zeitliche oder inhaltliche Erinnerungen.

Demenzähnliche Krankheitszeichen, wie Geistesverwirrtheit, Desorientierung, Vergesslich- und Willenlosigkeit deuten nicht zwangsläufig auf Alzheimer hin.

Diese Symptome können auch durch dauerhaften Alkoholkonsum, den Gebrauch von *Medikamenten (Opiate-Schmerz- und Schlafmittel …) sowie durch Bluthochdruck, mangelnde Flüssigkeitszufuhr, Unterzuckerung, aber auch durch Depressionen verursacht werden.
In diesen Fällen sind Therapiechancen recht gut.

*Keine Behandlungsform hat die psychiatrische Therapie einerseits so revolutioniert, andererseits so viele kontroverse Diskussionen ausgelöst wie die Psychopharmaka. Beruhigungsmittel oder Tranquilizer vom Typ der Benzodiazepine.
Sie verursachen Schläfrigkeit, Verwirrtheit, mangelnde Urteilsfähigkeit und beeinträchtigen die Motorik und das Bewusstsein.

Link –> Tranquillizer

Also Vorsicht: Benzodiazepine als Beruhigungs- und Schlafmittel können leichtere Benommenheit, kurzfristige Orientierungs-, Merk- und Konzentrationsstörungen verursachen.
Erinnerungslücken, Reaktionszeitverlängerungen durch geistig-körperliche Verlangsamung,
Einschränkung der Aufmerksamkeit, vorübergehende Bewegungsunsicherheit, aber auch länger anhaltende Muskelerschlaffung mit erhöhtem Unfallrisiko (vor allem nachts = Toilettengang, aber auch tagsüber – kann eine „Nachwirkung“ von Schlafmittel sein.)

Mangelnde Flüssigkeitszufuhr

Von Dehydratation spricht man, wenn dem Körper Wasser entzogen wird und der Wasser- und Elektrolythaushalt gestört ist. Sie stellt für den menschlichen Organismus ein großes Problem dar. ( Entwässerungsmedikamente )

Nicht selten führt Dehydratation zu akuter Lebensgefahr. Hier ist natürlich schnelles Handeln erforderlich.
In weniger dramatischen Fällen kann Flüssigkeitsmangel akute Verwirrtheit und Hypotonie zur Folge haben, die Sturzgefahr ist dadurch stark erhöht.
Unruhe und Desorientiertheit sind oft Symptom und Auslöser zugleich, deshalb muss zunächst der Grund für die Unruhe geklärt werden.

Starker Flüssigkeitsmangel verändert die Viskosität des Blutes.
Es wird dickflüssiger, was zu einem höheren Thromboserisiko führen kann.
Durch das Flüssigkeitsdefizit wird im Darm mehr Wasser resorbiert, die Flüssigkeit wird dem Nahrungsbrei entzogen und führt häufig zur
klick –> Obstipation.

Durch den Volumenmangel bei bestehender Dehydratation kommt es zu einem geringeren Gefäßdruck, die Folge ist ein erhöhtes Dekubitusrisiko

klick–> Dekubitus

Werbung: Decubal – trockene Haut war gestern. –> http://actavis.at/de-decubal.htm

Die Letalität von Erkrankungen mit gleichzeitiger Dehydratation steigt deutlich an .
Beispielsweise kann sie sich bei einer Schenkelhalsfraktur sogar verdoppeln.

Das Problem scheint ( wie bereits erwähnt ) vor allem darin zu liegen, dass die Körperfunktionen des älteren Menschen nachlassen beziehungsweise sich verändern.
Regelmechanismen wie der Angiotensin- Adiuretin-Aldosteron Regelkreis arbeiten nicht mehr so präzise wie in jüngeren Jahren.

Das Durstgefühl verändert sich ebenfalls – nach einer Durstperiode substituiert ein älterer Mensch nicht soviel Flüssigkeit wie ein junger.
Auch der Appetit lässt nach und Nahrungsergänzungen, wie Multivitaminpräparate, Mineralien und Spurenelemente können dazu beitragen, dass ein dementsprechender Mangel ausgeglichen wird

Zusätzlich spielen noch verschiedene andere Faktoren im Alter eine Rolle. Einige ältere Menschen haben Angst vor nächtlichem Einnässen oder davor, nachts aufstehen zu müssen und zu fallen.

Ebenso nehmen depressiv veränderte Menschen weniger Flüssigkeit und Nahrung auf.
Apathie und/oder dementielle Erkrankungen führen ebenfalls zu einer geringeren Flüssigkeitsaufnahme, da das Trinken vergessen und Durst nicht wahrgenommen wird.
Wasserhältiges Obst (wie etwa Melonen) sind besonders in den Sommermonaten beliebt und leicht zu verzehren.

Empfehlenswerte Link –> Altenpflege – Praxis – Profis

Bilder Upload

Wie nahezu jedes Jahr vor Ostern ist das Thema Leben und Tod aktuell. Es werden die Schnittstellen und Übergänge, wie auch die spirituellen Dimensionen aus den verschiedensten Perspektiven erläutert und diskutiert.

Im Rahmen meiner Patientenhilfe war ich als Teilnehmerin am 3. Tiroler Palliativtag
und habe wieder einiges dazu gelernt.

Empfehlenswerte Link:
klick–> Gesundes Leben“
Vitamin B12 schützt Gehirn vor Verfall

(10.09.2008) – Neue Studie zum Vitamin B12:
Senioren, denen es an diesem Stoff mangelt, haben ein sechsfach höheres Risiko, dass ihr Gehirn Volumen verliert als Gleichaltrige, die gut versorgt sind.
Das hat eine Untersuchung von ALTERSforscher David Smith an der Universität Oxford ergeben. Fünf Jahre lang wurden 107 Testpersonen zwischen 61 und 87 Jahren beobachtet, wie gut ihre Ernährung sie mit B12 versorgt.

Das wasserlösliche Vitamin findet sich vor allem in tierischen Produkten wie Fleisch, Fisch und Milch.
Es ist wichtig für die Herstellung roter Blutkörperchen, für den Fett- und Kohlenhydratstoffwechsel und die Nervenfunktion. Vegetariern droht aufgrund ihrer Ernährung ein Vitamin B12-Mangel – wird behauptet.

Aber es gibt ja die Pharmazeutischen Produkte …

Obwohl der tägliche Bedarf nur drei Mikrogramm beträgt, haben mehrere Studien gezeigt, dass vier von zehn Menschen mit Vitamin B (Hydroxocobalamin = Vit.B12) untersorgt sind. Ältere Menschen sind besonders häufig betroffen.
Senioren mit der niedrigsten Vitaminkonzentration hatten das höchste Risiko für den Gehirnverfall – als Folge lässt das Gedächtnis nach, im späteren Stadium kommt es zur Demenz.

Smith will nun untersuchen, inwiefern die Gabe von B-Vitaminen den Gehirnabbau älterer Menschen aufhalten kann: „Unsere Studie zeigt, dass die Ernährung möglicherweise mitbestimmt, wie stark unser Gehirn im Alter schrumpft.“ Das spreche für einen höheren Anteil an Fleisch, Fisch und Milchprodukten im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung für Senioren.

Die Studie ist im Fachmagazin „Neurology“ erschienen. (BBC News/red)


Demenzhilfe Tirol

http://www.demenzhilfe-tirol.at/


Tiroler HOSPIZ

Umsorgen am Lebensende. Sehen, was man nicht sehen kann und Versorgungskontinuität organisieren.

http://de.alzheimer-360.com/detail.php?news=1

Alzheimer-Blog zum Diskutieren

 

NEU: „Demenz“ Filmratgeber für Angehörigemit dem Spielfilm „Eines Tages…“

http://www.einestages.lvr.de/info.html

Derzeit leben in Deutschland mehr als eine Million Menschen mit einer Demenz, zwei Drittel von ihnen leiden unter Alzheimer. Wissenschaftler prophezeien, dass im Jahr 2030 die Zahl der Erkrankten gut zwei Millionen erreicht haben wird.

Menschen mit Demenz möchten meist so lange wie möglich in vertrauter Umgebung leben. Die häusliche Betreuung und Pflege übernehmen Angehörige, die durch ein weit gespanntes Hilfenetz Unterstützung finden können. Der Einstieg in dieses Hilfenetz wird durch ein möglichst umfassendes Informationsangebot erleichtert. Der Filmratgeber „Demenz“ mit dem Spielfilm „Eines Tages…“ greift die wesentlichen Themen rund um die Betreuung von Menschen mit Demenz auf und lässt Betroffene, Angehörige und Experten zu Wort kommen. Ziel ist es, pflegenden Angehörigen konkrete Hilfen für den Alltag zu bieten und ihr Verständnis für das Verhalten von Menschen mit Demenz zu fördern.

Bestellung: Die DVD-Box „Demenz- Filmratgeber für Angehörige “ ist ab dem 28.4.2010 zum Einführungspreis von 19.90 € zzgl. Porto erhältlich im Online-Shop des Kuratoriums Deutsche Altershilfe.


Die Maxie, jederzeit selbst zu denken, ist die Aufklärung.

Immanuel Kant (* 1724 – † 1804 )

Er war einer der bedeutendsten Philosophen. 

Sein Werk „Kritik der reinen Vernunft“ kennzeichnet einen Wendepunkt in der Philosophiegeschichte und den Beginn der modernen Philosophie.